ORTE ZUM HÖREN, FÜHLEN, BEGREIFEN & MITMACHEN
Im Städtchen Oporode

Braucht es das noch oder kann das weg?

Ein Stadtgespräch über den Wert historischer Orte

„Braucht es das noch oder kann das weg?“ – eine Frage, die wohl jeder schon einmal gestellt oder gehört hat. Bei historischen Gebäuden ist die Antwort jedoch selten einfach. Denn ihr Wert lässt sich nicht allein an Sanierungskosten, Marktpreisen oder Bilanzen messen. Oft sind es die Geschichten, Erinnerungen und Erfahrungen, die einen Ort wirklich unersetzlich machen. Mit unserem Stadtgespräch laden wir Sie dazu ein, gemeinsam über den Wert historischer Orte ins Gespräch zu kommen.

Stadtgespräch & Vernissage

30. August 2026, 15 Uhr, Gut Ziegenberg

Im Gespräch mit
Regine Heubaum, Historikerin und Ausstellungskuratorin
Ole, Fremd freireisender Zimmerer auf der Walz
Christoph Eydt, Geschichtslehrer und Altbausanierer
Antje Wegener, Bauingenieurin mit Schwerpunkt Bauen im Bestand
Ansprechpartner für Denkmalschutz im Landkreis Harz (angefragt)
Nicole Müller, heimatBEWEGEN e.V. und Moderatorin

Welche Bedeutung haben Denkmale für unsere Gesellschaft? Welche Werte entstehen, wenn Menschen sich mit Leidenschaft für ihren Erhalt einsetzen? Was braucht es, um historische Gebäude zu bewahren und gleichzeitig mit neuem Leben zu füllen? Welche Rolle spielen Handwerk, Fachwissen, ehrenamtliches Engagement und die vielen kleinen Begegnungen auf dem Weg?

Das Gut Ziegenberg selbst erzählt von diesem Prozess. Der historische Gebäudekomplex wird seit Jahren Schritt für Schritt weiterentwickelt – nicht nur als Baudenkmal, sondern als lebendiger Ort der Begegnung, an dem Vergangenheit und Zukunft miteinander in Dialog treten. Den Auftakt des Abends bildet die Vernissage zur Ausstellung „Die Heilstätte Harzgerode 1931 – 1998 – Ein Blick in die Geschichte“.

„Die Heilstätte Harzgerode 1931–1998 – Ein Blick in die Geschichte“

Die Ausstellung des Freundeskreisvereins der Gemeinschaft in der Heilstätte Harzgerode beleuchtet die Geschichte der ehemaligen Tuberkulose-Heilstätte nahe Harzgerode – von ihrer Eröffnung im Jahr 1931 bis zu ihrer Schließung 1998. Sie erzählt vom Alltag während des Nationalsozialismus, von den Erfahrungen ehemaliger Patientinnen und Patienten in der DDR und macht anhand von Archivquellen sowie persönlichen Erinnerungen sichtbar, wie eng Architektur, Zeitgeschichte und individuelle Lebensgeschichten miteinander verbunden sind.

Die Ausstellung zeigt eindrucksvoll: Gebäude sind weit mehr als Mauern aus Stein. Sie bewahren Erinnerungen, erzählen von gesellschaftlichem Wandel und verbinden Generationen. Im anschließenden Stadtgespräch möchten wir gemeinsam mit Engagierten, Fachleuten und allen Interessierten darüber sprechen, was historische Orte für uns heute bedeuten. Welche Werte lassen sich bewahren? Welche neuen Perspektiven entstehen durch ihre Nutzung? Und wann wird aus einem alten Gebäude mehr als ein Denkmal – nämlich ein Ort, der Menschen zusammenbringt und Zukunft gestaltet?

Wir laden Sie herzlich ein, mitzudenken, mitzudiskutieren und gemeinsam
zu entdecken, warum manches keinen Preis hat und dennoch unbezahlbar ist.


Kommen Sie ins Gespräch mit unseren Gästen

Regine Heubaum

Regine Heubaum ist Historikerin mit dem Schwerpunkt NS-Geschichte und lebt seit 2020 in der Freien Feldlage Gernrode – in der ehemaligen Lungenheilstätte selbst. Durch ihre langjährige Tätigkeit in der Gedenkstätte Mittelbau-Dora und ihre wissenschaftliche Arbeit verbindet sie historische Forschung mit lebendiger Vermittlung. Für die Freie Feldlage hat sie eine Ausstellung zur Geschichte der ehemaligen Heilstätte konzipiert, die im Anschluss an das Stadtgespräch für zwei Wochen auf Gut Ziegenberg zu sehen sein wird. Sie bringt die Perspektive mit, wie historische Orte ihre Geschichte bewahren und gleichzeitig zu lebendigen Orten der Begegnung und des Austauschs werden können.

Ole – fremd freireisender Zimmerer

Ole ist als fremd freireisender Zimmerer auf der Walz unterwegs und Teil der diesjährigen Sommerbaustelle der Wandergesellen in der Freien Feldlage Harzgerode. Gemeinsam mit vielen weiteren Handwerkerinnen und Handwerkern arbeitet er dort an der Sanierung des historischen Saals. Er steht für traditionelles Handwerk, gemeinschaftliches Arbeiten und die besondere Kultur der Wanderschaft – eine Perspektive, die zeigt, wie altes Wissen bis heute weitergegeben und gelebt wird.

Christoph Eydt

Christoph Eydt ist Geschichtslehrer und hat seinen Lebensmittelpunkt bewusst von Halle in den Harz verlegt. Mit viel Eigeninitiative saniert er ein historisches Gebäude in ökologischer Bauweise und verbindet dabei den Erhalt alter Bausubstanz mit nachhaltigen Bauweisen. Seine Erfahrungen gibt er regelmäßig in Workshops weiter und zeigt, wie historische Gebäude zukunftsfähig und ressourcenschonend weiterentwickelt werden können.

Antje Wegener

Antje Wegener ist selbstständige Bauingenieurin und begleitet seit vielen Jahren Projekte rund um den Erhalt historischer Gebäude. Sie gehörte zu den Menschen, die die Entwicklung von Gut Ziegenberg von Beginn an ehrenamtlich mit angestoßen und mit ihrer fachlichen Expertise begleitet haben. Ihr besonderes Anliegen ist es, den Charakter alter Bauwerke zu bewahren und ihnen gleichzeitig eine neue, zeitgemäße Nutzung zu ermöglichen – denn genau darin liegt für sie der besondere Charme des Bauens im Bestand.

Nicole Müller, Moderation

Nicole Müller ist Vorsitzende des heimatBEWEGEN e.V. und begleitet seit vielen Jahren Projekte, die Menschen zusammenbringen und historische Orte mit neuem Leben füllen. Mit Gut Ziegenberg verfolgt sie das Ziel, Denkmalschutz, bürgerschaftliches Engagement und nachhaltige Entwicklung miteinander zu verbinden. Als Moderatorin führt sie durch den Abend und lädt die Gäste dazu ein, gemeinsam über die Zukunft alter Gebäude ins Gespräch zu kommen.


Gefördert durch

Die organisatorische Einbettung, Vernetzung im Sozialraum sowie die projektbezogene Begleitung der Beteiligungs- und Werkstattformate erfolgen im Rahmen des Projekts WERKStadt – Orte zum Hören, Fühlen, Begreifen & Mitmachen, das durch das Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) im Bundesprogramm Ländliche Entwicklung und Regionale Wertschöpfung (BULEplus) gefördert wird.