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Dramaturgie der Dinge

Wenn Fehler, Fundstücke und alte Dinge neue Geschichten erzählen

Unter dem Titel „Dramaturgie der Dinge“ arbeiteten Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene gemeinsam mit Künstlerinnen und Künstlern aus Deutschland und den USA an der Frage: Was passiert, wenn wir Dingen, Klängen und Fehlern einmal genauer zuhören? Die Woche verband drei unterschiedliche, aber eng miteinander verknüpfte Formate: die Error Music AG mit dem Berliner DJane-Kollektiv Yosa Peit & Tash Todd, den Trash-to-Fashion-Workshop mit der Theaterpädagogin Kerstin Dathe und der hawaiianischen Künstlerin Elsha Taya Travis sowie die öffentliche Masterclass des amerikanischen Regisseurs Mark W. Travis im Schlosstheater Ballenstedt. Gemeinsam eröffneten sie neue Perspektiven auf Fehler, Materialien, Geschichten und die Frage, wie Kreativität entsteht.

Fehler als Chance

In der Error Music AG ging es nicht darum, möglichst perfekt zu musizieren. Im Gegenteil. Rauschen, Wiederholungen, technische Störungen, schiefe Töne oder zufällige Geräusche wurden bewusst aufgegriffen und weiterentwickelt. Die Jugendlichen experimentierten mit Stimmen, Alltagsgegenständen, elektronischen Geräten und Klängen und entdeckten dabei neue Ausdrucksmöglichkeiten zwischen Musik, Geräusch und Performance. Was zunächst wie ein Fehler klang, wurde plötzlich spannend. Was sonst aussortiert oder korrigiert wird, wurde Teil eines kreativen Prozesses. Die Erfahrung dahinter reicht weit über Musik hinaus: Nicht alles muss perfekt sein, um wertvoll zu sein.

Ich fand total cool, dass wir selbst Musik produzieren konnten. Das wir das alles alleine gemacht haben. Mit den Sound-Effekten und Lichtern. Und mich hat am meisten überrascht, dass mein Freund Jon so gut E-Guitarre spielen kann. Das wusste ich gar nicht. Jonathan

Vom Abfall zum Laufsteg

Einen ähnlichen Gedanken verfolgte der Workshop Trash-to-Fashion. Gemeinsam mit Kerstin Dathe und Elsha Taya Travis verwandelten die Jugendlichen scheinbar wertlose Materialien in tragbare Kunstwerke, Kostüme und performative Objekte. Aus Verpackungen, Stoffresten und Fundstücken entstanden ungewöhnliche Kreationen zwischen Mode, Kunst und Theater. Dabei ging es weniger um klassische Mode als um die Frage, welche Geschichten Dinge erzählen können und wie sich Materialien durch Kreativität verwandeln lassen. Die Teilnehmenden lernten dabei nicht nur handwerkliche Techniken kennen, sondern auch einen neuen Blick auf Ressourcen, Nachhaltigkeit und Konsum.

Mir hat am meisten das Selbermachen gefallen.
Das man was eigenes kreieren konnte. Oskar

Am besten fand ich die Performance.
Es hat so viel Spaß gemacht sie einzustudieren.
Man konnte einfach frei sein. Karl

Mir hat es Spaß gemacht mit Müll zu arbeiten.
Es sind so viele kreative Ideen entstanden. Louis

Die Abschlusspräsentation im Feinkost Club in Ballenstedt zeigte eindrucksvoll, was in wenigen Tagen entstehen kann, wenn Jugendliche experimentieren dürfen. Musikalische Performances trafen auf tragbare Kunstwerke, Klänge auf Kostüme, Zufälle auf kreative Ideen. Vielleicht war die wichtigste Erkenntnis dieser Woche jedoch eine andere: Fehler müssen nicht versteckt werden. Manchmal entstehen gerade aus Brüchen, Umwegen und scheinbar wertlosen Dingen die spannendsten Geschichten.

Und vielleicht gilt das nicht nur für Kunstwerke, sondern auch für Orte, Gemeinschaften und die Menschen selbst. Denn oft steckt das größte Potenzial genau dort, wo man zunächst nur einen Fehler, einen Umweg oder etwas scheinbar Wertloses sieht. Die „Dramaturgie der Dinge“ hat gezeigt, dass Kreativität nicht bei Perfektion beginnt, sondern bei Neugier. Und dass manchmal ausgerechnet die Dinge, die wir übersehen, die spannendsten Geschichten erzählen.


Von den Dingen zu den Geschichten

Etwas Besonderes war auch die öffentliche Masterclass des amerikanischen Film- und Theaterregisseurs Mark W. Travis im Schlosstheater Ballenstedt. Gemeinsam mit Studierenden und Gästen arbeitete Travis an der Frage, wie Geschichten entstehen und wie Menschen, Orte und Gegenstände auf der Bühne Bedeutung erhalten. Dabei wurde deutlich, dass auch in der Theaterarbeit oft dieselben Prinzipien wirken wie in den Workshops von Error Music und Trash-to-Fashion: Es geht nicht um Perfektion, sondern um Aufmerksamkeit, Neugier und die Bereitschaft, Gewohntes neu zu betrachten.

Eine Woche voller Begegnungen

Zeitgleich fand ein internationaler Regie- und Theaterworkshop statt, der Studierende und Dozierende aus Portugal, Schweden, Finnland, den Niederlanden, Dänemark, Tschechien, Deutschland und den USA nach Ballenstedt führte. Die internationalen Gäste arbeiteten während ihres Aufenthalts auf Gut Ziegenberg, im Schlosstheater Ballenstedt und in der Kirche St. Petri in Opperode. Zum Abschluss der Woche besuchten viele von ihnen die Präsentation der entstandenen Ergebnisse im Feinkost Club in Ballenstedt. So trafen unterschiedliche Perspektiven und Erfahrungen aufeinander. Kunst wurde dabei für einen Moment zur gemeinsamen Sprache – unabhängig von Herkunft, Alter oder Muttersprache.

Fotografie: Detlef Heydecke & Lisa Schmidt

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