Wie Zusammenarbeit ländliche Räume stärkt.
Wie entsteht gesellschaftlicher Wandel im ländlichen Raum? Was braucht es, damit Menschen Verantwortung übernehmen und gemeinsam ihre Heimat gestalten? Über diese Fragen kam Bundesminister Alois Rainer am Freitag, den 17. Juli, im Rahmen seiner Sommertour mit dem Ballenstedter Engagementnetzwerk ins Gespräch.
Der Austausch geht auf eine Initiative des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat an die Deutsche Stiftung für Engagement und Ehrenamt (DSEE) zurück. Gesucht wurde ein Praxisbeispiel dafür, wie aus bürgerschaftlichem Engagement langfristige Strukturen für die Entwicklung ländlicher Räume entstehen können. Die Wahl fiel auf Ballenstedt.
In den vergangenen Jahren ist hier ein Netzwerk entstanden, in dem Bürgerinnen und Bürger, Vereine, Kommune, Wissenschaft, Wirtschaft und Politik gemeinsam Verantwortung übernehmen. Im Mittelpunkt des Nachmittags steht deshalb nicht die Vorstellung einzelner Projekte, sondern die Frage, wie diese Zusammenarbeit gelingt und warum sie für die Zukunft ländlicher Räume so wichtig ist.












Das Ballenstedter Engagementnetzwerk lebt davon, dass unterschiedliche Partner ihre jeweiligen Stärken einbringen. Dabei geht es nicht darum, dass jeder alles kann. Es geht darum, die unterschiedlichen Stärken miteinander zu verbinden. Kommunen öffnen Räume und schaffen Infrastruktur. Wissenschaft bringt neue Perspektiven und macht gesellschaftliche Entwicklungen erfahrbar. Unternehmen ermöglichen Engagement und stellen Ressourcen bereit. Bürgerinnen und Bürger, Vereine und Initiativen bringen ihre Zeit, ihre Ideen und ihre Erfahrungen ein. Erst aus diesem Zusammenspiel entstehen Projekte, die keine dieser Gruppen allein verwirklichen könnte.
Ein Beispiel dafür ist die Zusammenarbeit mit der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg. Im Rahmen verschiedener Lehr- und Forschungsformate arbeiten Studierende regelmäßig in Ballenstedt. Gemeinsam mit Schulen, Vereinen und der Stadtgesellschaft entstehen Filme, Podcasts, Ausstellungen und andere kreative Formate, die historische Orte und Leerstände zeitweise mit neuem Leben füllen. So entstehen neue Perspektiven – für die Studierenden ebenso wie für die Menschen vor Ort.
Den Auftakt bildete ein Impuls von heimatBEWEGEN, der die Bedeutung sektorübergreifender Zusammenarbeit beleuchtet. Denn gesellschaftlicher Wandel entsteht selten innerhalb einzelner Bereiche. Er entsteht dort, wo unterschiedliche Perspektiven, Kompetenzen und Ressourcen zusammenkommen. Bei einem Rundgang über Gut Ziegenberg kam Bundesminister Rainer mit Engagierten aus dem Netzwerk ins Gespräch und bekam aus erster Hand zu erfahren, wie aus gemeinsamen Ideen langfristige Kooperationen und neue Formen des Miteinanders entstanden. Und es rückte weiteres Thema in den Mittelpunkt: die Bedeutung gemeinschaftlicher Orte. Am Beispiel des aktuellen BULEplus-Projekts zeigte heimatBEWEGEN, wie leerstehende Gebäude und ungenutzte Orte zu Räumen für Kultur, Bildung, Beteiligung und Begegnung werden können. Nicht der Leerstand steht dabei im Vordergrund, sondern das Potenzial, Orte wieder mit Leben zu füllen und Menschen zusammenzubringen.
Zum Abschluss erhielten die Gäste Einblicke in die offenen Werkstätten auf Gut Ziegenberg und legen selbst Hand an. Dabei ging es nicht nur darum, handwerkliche Techniken kennenzulernen. Die Werkstätten machen sichtbar, wie aus gemeinsamem Arbeiten neue Ideen entstehen und wie aus einem Ort des Machens Bildungsangebote, Beteiligungsprojekte und gesellschaftliche Innovationen wachsen können.
Der Nachmittag verstand sich deshalb nicht als Präsentation einzelner Projekte, sondern als Einladung zum gemeinsamen Nachdenken darüber, wie wir ländliche Räume gemeinsam gestalten wollen. Denn gesellschaftlicher Wandel entsteht nicht innerhalb einzelner Sektoren – sondern zwischen ihnen.






Fotos: Detlef Heydecke und © BMLEH