AUS LIEBE & LEIDENSCHAFT
Werkzeugwand im heimatWERK

Offene Werkstätten

MITMACHEN, ANLEITEN & WEITERGEBEN

Je früher der Mensch gewahr wird, dass es ein Handwerk, dass es eine Kunst gibt, die ihm zur geregelten Steigerung seiner natürlichen Anlagen verhelfen, desto glücklicher ist er. Johann Wolfgang von Goethe (1749 – 1832)

Ein weiteres Teilprojekt der Gemeinschaft ist eine Offene Werkstatt. Etwas miteinander tun, voneinander lernen, gemeinsame Interessen ausleben, kann das Verständnis bzw. den Respekt voreinander fördern, gerade auch im Dialog zwischen den Generationen und Kulturen.

Offene Werkstätten sind Mehrgenerationenräume. Offene Werkstätten bereichern die Vielfalt des städtischen Lebens, eine Offene Werkstatt ist ein urbaner Lebensraum. Er macht die Stadt attraktiv, kann zu einer Aufwertung und so zu nachhaltiger Stadtentwicklung oder regionaler Entwicklung beitragen. Eine Offene Werkstatt fördert die Netzwerkbildung, sie pflegt die Kontakte in der Stadt, zunächst über die NutzerInnen, aber auch über die Zusammenarbeit bzw. die Vernetzung mit Schulen, Handwerkern, Künstlern, Initiativen, Gewerbetreibenden etc. Offene Werkstätten erfüllen verschiedene Funktionen in einer lebendigen Stadtgesellschaft: Sie sind »Wohnungsergänzungsräume«, sie sind soziale Treffpunkte, sie sind Lernräume, sie sind Ausgangspunkt für soziales und kulturelles Engagement. Märkte, Feste oder Ausstellungen zu organisieren, kann ein Aspekt von Offenen Werkstätten sein. Sie sind für alle Schichten offen und werden auch breit genutzt. Hier wird unkompliziert Wissen von MeisterInnen an Laien und von Mensch zu Mensch weitergegeben. Hier können sich Initiativen entwickeln und Allianzen geschmiedet werden.

Unsere Zielgruppen sind die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Ballenstedt und der näheren Umgebung jeglicher Altersgruppen. Ein offene Werkstatt ist für alle da: für Kinder, Jugendliche, Familien und Rentner, für Könner sowie für Laien, für die die Geld sparen müssen sowie für die mit besonderen Ansprüchen. Für die, die für sich werkeln wollen, aber auch für die, die den Austausch mit Gleichgesinnten suchen und brauchen. Für Schulen, die hier Räumlichkeiten für interessante Schulprojekte vorfinden. Für Netzwerker, Berufstätige, für Kreative, Lebenskünstler, Jung und Alt, für Frauen und Männer in ihren individuellen Lebenssituationen.

Der Bereich Handwerk umfasst traditionelle Werkstätten für Holz, Metall, Färberei, Keramik etc.. Das Digital LAB verbindet digitale Technologien wie 3D Drucker & Lasercutter mit Programmierkursen & Hardwarebau. In der Gartenwerkstatt wird gesät, gepflegt, geerntet und gemeinsam verarbeitet. Im Community Bereich findet gemeinschaftliches Lernen, Arbeiten und Wissensaustausch statt.

Kreativ zu sein hilft mir, mein Innerstes mit der Welt zu teilen. Brené Brown


Projekttagebuch

Von 2017 bis 2019 richteten wir unser Tuns und unsere Anstrengungen darauf aus, für die offenen Werkstätten ein geeignetes zu Hause zu finden und eine gemeinnützige Infrastruktur – dies verstanden räumlich und digital – aufzubauen. Erste intergenerative und inklusive Bildungs- und Kulturangebote finden seit 2019 auf dem Gut Ziegenberg – unserem Impulsort mitten im Herzen von Ballenstedt – statt. So wird in unserer Holzwerkstatt wird regelmäßig gewerkelt und in der jährlich stattfinden Ferienwerkstatt probieren sich Kinder zwischen 8 und 12 Jahren u. a. im Stempeln und Linolschnitt, in Kräuterkunde und in unserer Seifenküche aus. Diese sind eine wunderbare Gelegenheit uns – die Menschen hinter heimatBEWEGEN e. V. – und das Gut Ziegenberg mit seinen Möglichkeiten näher kennenzulernen. Hier bekommten Kinder- und Jugendliche und interessierte Erwachsene Hintergrundinfos sowie Ideen und Anregungen für die Umsetzung eigener Projekte und können unsere Mentor*innen kennenlernen.

Diese und weitere Angebote bauten wir aus und bauten im Folgenden Ferienangebote für Kinder- und Jugendliche sowie intergenerative, integrative Workshops und Kurse auf. So entsteht ein neuer Anlaufpunkt in der Stadt/Kommune für die Bevölkerung (Belebung des Zentrums); verschiedenste Bevölkerungsschichten werden über die Begeisterung am gemeinsamen Tun verbunden; die Zukunftskompetenzen insbesondere unserer Kinder gefördert; eine Sharing Community für Werkzeug und digitale Geräte aufgebaut sowie durch die zur Verfügungsstellung einer gemeinnützigen Infrastruktur – dies verstanden räumlich und digital – und durch die Schaffung des Zugang zu verschiedenster Ausstattung, die Chancengerechtigkeit für Kinder, Jugendlichen und Erwachsenen aus sozial schwächeren Familien geschaffen.

Da die Flächen in den Innenräumen des Haupthauses des Gut Ziegenbergs nur begrenzt nutzbar sind und auch nur eine überschaubare Fläche zur Verfügung steht, ist ein Meilenstein in unserem Tun, dass Schaffen von Räumlichkeiten. Da unsere finanziellen Mittel sehr begrenzt sind, ist es nicht möglich in den zur Verfügung stehenden Scheunen des Gut Ziegenbergs eine räumliche und digitale Infrastruktur aufzubauen. Deshalb haben wir uns für den Bau einer Containeranlage entschieden. Ausgediente Überseecontainer bekommen Ende 2021 eine neue Nutzung – nachhaltig, digital und effizient. Hier geht es ums mitmachen, selber machen und weitergeben. Dafür haben wir über die Richtlinie Stadt-Land des Landes Sachsen-Anhalt Fördermittel über 124.000 € eingeworben, die im ersten und vierten Quartal 2021 abgearbeitet werden. Dazu gehört die Bauplanung, das Baugenehmigungsverfahren und die Bauausführung.


Für die Ergänung/Ausstattung unserer Werkstätten insbesondere für das DIGITALlab und den Bereich HANDWERKSlab haben wir bei der Anstiftung eine Förderung beantragen. So soll die Holzwerkstatt ausgebaut und zusätzliches Werkzeug beschafft werden. Das DIGITALlab wurde um einen Lasercutter erweitert werden. Hier freuten wir uns über die Unterstützung durch die VDI-Joachim-Herz-Technikfonds, die die Anschaffung mit einem Zuschuss unterstützten. Zehn Chromebooks und entsprechende Erfinderkids und Sensoren (Calliope und Makey Makey) sind vorhanden und werden in unser regelmäßig stattfindenden offenen Werkstatt genutzt. In unserer Druckwerkstatt können sich Jung und Alt im Linolschnitt und im Siebdruck ausprobieren. Hier bedarf es einer weiteren Ergänzung, um Siebe belichten und mit der entsprechenden Hardware/Software entsprechend Motive selbst erstellen zu können. Unsere Färberwerkstatt steht ganz am Anfang ihres Aufbaus.


Das Bundesministerium für Bildung und Forschung förderte und regte mit einer finanziellen Unterstützung den Zusammenschluss maßgeblicher Akteure in der Region an, um langfristig außerschulische Strukturen und niederschwellige Bildungsangebote für Kinder und Jugendliche zwischen 10 und 16 Jahren insbesondere Mädchen aufzubauen. Entsprechend stellten wir mit einem Verbund aus der Hochschule Harz und dem Leibniz-Institut für Pflanzengenetik und Kulturpflanzenforschung als wissenschaftliche Institutionen, der Kreativwerkstatt Aschersleben als etablierter Bildungsakteur und verschiedenen Akteuren aus Wirtschaft, Wissenschaft und Gesellschaft einen Antrag und durften über drei Jahre ab 2021 außerschulische Bildungsangebote mit Schwerpunkt Mathematik, Naturwissenschaft, Informatik und Technik aufbauen.


Als ein Ergebnis aus dem Verbundprojekt Kreativpotentiale Sachsen-Anhalt entstand das Pilotprojekt „Lernen lernen durch Kultur“ als ein Unterrichtskonzept für den Kurs „Lernmethoden der Klasse 5“. Die Schülerinnen und Schüler beschäftigen sich mit Kulturschaffenden und Vereinen in und um Ballenstedt, die im Themenfeld „Kultur“ aktiv sind. Sie lernen die Agierenden kennen, besuchen diese in ihren Institutionen und führen auch Interviews mit ihnen durch. Diese Interviews werden dann im Rahmen der Projektwoche geschnitten und zu einem Podcast zusammengestellt. Die Schülerinnen und Schüler arbeiten in kleinen Teams zusammen und jedes Team setzt sich intensiv mit einem Kulturpartner/Verein auseinander. Dazu gehören verschiedene Recherche-Aufgaben und auch das Entwickeln von passenden Interviewfragen.


Auf dem Gut Ziegenberg gibt es genug Flächen, um den wachsenden Kultur und Veranstaltungsbetrieb gemäß der pandemiebedingten AHA-Regeln zu entzerren. Jedoch ist die bauliche Substanz und die Barrierefreiheit in einem denkmalgeschützten Kulturgut immer schwierig. Durch die Erschließung von Flächen im Außenbereich (z. B. durch die Beschaffung eines Tentikelzelts) und durch zusätzliche Flächen in einer temporären Containeranlage ist es uns gelungen, auch in Pandemiezeiten verschiedene Veranstaltungen hybrid bzw. in Präsenz zumeist in Kleingruppen umzusetzen. Insbesondere in den warmen Jahreszeiten ist das auch in unsanierten bzw. in nichtbeheizten Räumen möglich. Die zusätzliche Anmietung von temporären Sanitärcontainern (wie Dixitoiletten) ermöglicht auch hier die Durchführung von Veranstaltungen mit Barrierefreiheit. In den oben genannten Flächen und Räumlichkeiten nutzen wir bis Ende des Jahres 2022 gebrauchtes und zum Teil antikes Mobillar, dass nicht den pandemiebedingten Hygieneauflagen entspricht (nicht abwischbar, ungeeignet für die Behandlung mit Desinfektionslösungen). Mit der Beschaffung von zusätzlichem Mobiliar, dass diesen Standards entspricht, wollen wir die Aufenthalts-/Werks-/Schulungs-/Bildungs-/Gemeinschaftsräume für die zukünftige Nutzung herrichten. Durch eine umfangreiche Förderung durch NEUSTART KULTUR wurde es uns ermöglicht nutzbare Räume und Kleinode zu schaffen, die entsprechend der Hygienestandards ausgestattet sind.


Fotodokumentation