AUS LIEBE & LEIDENSCHAFT

Jobperformer

Warum kleben wir immer noch an der Vorstellung, dass Ziffern auf einem Blatt Papier mehr wert sind als real existierende Fähigkeiten und Begabungen? Was nützt es einem 2jährigen Kind in der Kita, dass die Auszubildende zwar genau weiß, welche Elemente zur 7. Hauptgruppe des Periodensystems gehören, aber nicht wie man einfühlsam und liebevoll ein weinendes Kind tröstet und diesem völlig hilflos gegenübersteht, weil ihr die notwendige Empathie für diesen Beruf fehlt? …

Warum muss ein handwerklich sehr geschickter Junge wissen wann der 30jährige Krieg begann obwohl ihm das beim Bau eines innovativen ergonomischen Schreibtischs kein Stück weiterhilft? Weshalb muss man im Dreieck triangulieren können um eine wunderbare Quiche Lorrain zaubern zu dürfen? Was passiert mit unseren Jugendlichen, die etwas sehr gut können oder in einem bestimmten Bereich ungewöhnlich begabt sind aber auf ihrem Zeugnis erscheinen nicht die geforderten Zahlen um einen Ausbildungsplatz zu bekommen der ihren Interessen und Fähigkeiten entspricht? Diese Fragen sollten wir uns dringend stellen!

In Zeiten von allerorts herrschendem Fachkräftemangel können wir es uns nicht leisten vorhandenes Potential durch die Be- bzw. Verurteilung aufgrund irrsinniger Vorgaben aus dem letzten Jahrhundert ungenutzt zu lassen. Es spukt leider immer noch das fatale Muster „Wir werden gemessen an dem was wir falsch machen nicht an dem was wir gut machen“ in den Köpfen der Personalentscheider. Zensuren in Fächern, die für die qualitativ hochwertige Ausübung einer Tätigkeit völlig unwichtig sind, entscheiden darüber, ob jemand eine Ausbildung machen darf oder nicht.

Wie lange wollen wir das noch hinnehmen und zulassen? Wie lange wollen wir unseren Jugendlichen noch aufdrücken und zumuten, dass sie einen Beruf erlernen müssen der ihnen weder Spaß macht noch ihre Talente und Fähigkeiten nutzbringend für uns alle einsetzt? Wie lange sollen aus diesen Jugendlichen noch unmotivierte und unproduktive Menschen werden, die im besten Fall „Dienst nach Vorschrift“ machen und im Schlechtesten Burnout, Depressionen und Suizidgedanken haben?

Die Zeichen der Zeit verlangen endlich nach Veränderung im Denken von Unternehmern, Personalchefs und Ausbildern. „Hier sollte schon in der Schule angesetzt werden, ganz im Sinne von ‚Schule im Aufbruch‘, die die Entfaltung der individuellen Potenziale und Kompetenzen ermöglicht.“ (Gerald Hüther, Neurobiologe) Leider fehlt es flächendeckend an diesen innovativen Strukturen in der Schullandschaft und erst recht im Bereich Ausbildung und Lehrstellen. Wir brauchen dringend Menschen in Firmen und Unternehmen, die begriffen haben, dass SIE die Entscheidung darüber treffen dürfen, wer künftigen bei und mit ihnen arbeitet und diese Macht nicht den Zahlen auf einem Stück Papier übergeben. Viel wichtiger und aussagekräftiger ist es sich persönlich ein Bild davon zu machen, welche Fähigkeiten der Bewerber wirklich hat und mit welcher Begeisterung und Motivation er für euer Unternehmen arbeiten kann. Deshalb hier die Aufforderung an alle über den Tellerrand denkenden Chefs zukunftsfähiger Unternehmen:

Verurteilt nicht die Zensuren eurer Bewerber, sondern beurteilt ihre Fähigkeiten und Potentiale! Gebt ihnen die Möglichkeit sich bei euch einzubringen und nutzt das, was in ihnen steckt, ganz nach dem Motto

„Bei der Erziehung muss man etwas aus dem Menschen herausbringen und nicht in ihn hinein“ (Friedrich Fröbel)

Gedanken von Sabine